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Löhne in der Branche: Jonglieren zwischen Wunsch und Wirklichkeit (BioHandel, 4/201212)

BioHandel, 04/2012, Standards

BioHandel, 4/2012

Löhne in der Branche

Jonglieren zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Niedrige Löhne und Selbstausbeutung sind in der Biobranche keine Seltenheit. Bisher wird intern kaum darüber diskutiert, welche Einkommen sozial und fair sind. Sollen etwa Tarifverträge - auch für kleine Fachhändler im Lebensmittelbereich - das Ma aller Dinge sein? Der folgende Artikel liefert einige Grundlagen für die Diskussion. Denn der Druck von au en wächst. // Leo Frühschütz

IllustrationFaire Bezahlung der Mitarbeiter einerseits, hohe Personalkosten und Ansprüche der Kunden, etwa nach längeren Öffnungszeiten andererseits: Vor allem für inhabergeführte Geschäfte, die im Wettbewerb stehen, ist das Thema Löhne ein Balanceakt.
Copyright: fotolia.com

Es gibt Meldungen, die kommen so sicher wie das Amen in der Kirche. "Bio und Billiglohn" ist eine davon. Dass der Biofachhandel in weiten Teilen unter Tarif zahlt, ist kein Geheimnis. Das tun auch andere Einzelhändler. Doch die nehmen für sich nicht in Anspruch, fair, partnerschaftlich, sozial und nachhaltig zu handeln. Eine Branche, die diese Adjektive ernst nimmt, darf sich nicht erst dann mit den Gehältern befassen, die sie bezahlt, wenn taz/Spiegel/Report darüber berichten.

Warum geht nicht mehr?

"Die inhabergeführten Geschäfte wollen mehr zahlen und sehen das auch als wichtig an", sagt Günter Kugler von der in der Biobranche engagierten Unternehmensberatung Kugler & Rosenberger. Doch die Betriebsdatenauswertung zeige, dass deren Personalkosten sowieso schon sehr hoch seien. Hinzu kämen noch die Ansprüche der Kunden auf immer längere Öffnungszeiten. Das bedeute mehr Personalkosten, ohne dass deshalb der Umsatz steige. "Oft ist es so, dass die Inhaber dann wenigstens drei oder vier Leistungsträger gut bezahlen." Besonders wenig Spielraum für höhere Löhne hätten Betriebe, die im Wettbewerb stehen und um Umsatzanteile kämpfen müssen. Im Gro handel und bei den Verarbeitern sei das Thema Löhne unstrittiger als im Einzelhandel, meint Günter Kugler. Tarifverträge seien weiter verbreitet und es gebe viele Betriebe, die sowohl konventionell als auch bio verarbeiten würden.

"Wir arbeiten daran, bessere Löhne zu zahlen," sagt Hubert Bopp, Mitgeschäftsführer der Berliner Bio Company und zählt die Lohnrunden der vergangenen beiden Jahre auf. Mehr sei bisher definitiv nicht möglich gewesen. "Wenn wir vor zehn Jahren die Gehälter von heute gezahlt hätten, gäbe es uns nicht mehr." Er weist darauf hin, dass die Bio Company keinen Gro handel im Hintergrund habe (gemeint sind Denn's und Alnatura), "sondern aus eigener Kraft wachsen muss". Natürlich dürfe dies nicht auf dem Rücken der Mitarbeiter stattfinden.

Tarifverträge im LEH

In kaum einer Branche sind die Tariflöhne seit 2005 so wenig gestiegen wie im Einzelhandel. Und sie sind sowieso niedrig, verglichen mit Löhnen in der Industrie. "Der Einzelhandel ist die grö te Niedriglohnbranche in Deutschland", schreibt die Entwicklungsorganisation Oxfam.

Die Verträge zwischen der Gewerkschaft Ver.di und den Arbeitgeberverbänden werden für den gesamten Einzel- und Versandhandel auf Länderebene abgeschlossen. Sie sind von der Lohnhöhe her unterschiedlich, ansonsten aber ähnlich aufgebaut. Die Löhne staffeln sich nach Ausbildung, Berufserfahrung und der Stellung im Unternehmen. Eine ausgebildete Verkäuferin bekommt in den ersten beiden Berufsjahren in Bayern Vollzeit fast 1.600 Euro brutto, das sind 9,79 Euro die Stunde. Bis zum sechsten Berufsjahr steigt der Tarif auf 2.205 Euro oder 13,53 pro Stunde. Eine Westberliner Kollegin würde zwar mit gut über 10 Euro in der Stunde einsteigen, käme aber erst im 8. Berufsjahr auf 13,57. Teamleiter, denen mehrere Arbeitnehmer unterstellt sind, liegen je nach Berufserfahrung und Bundesland zwischen 16 und 25 Euro Stundenlohn. Hinzu kommen Urlaubsgeld und ein Weihnachtsgeld von 62,5 Prozent eines Monatsgehalts. Gearbeitet wird Vollzeit meist 37,5 Stunden, in einzelnen Bundesländern auch 38 oder 39 Stunden. Die Tarifverhandlungen 2011 ergaben eine Erhöhung von 3 Prozent. Im Sommer 2012 kommen noch einmal 2 Prozent hinzu. Der Urlaub ist einheitlich festgelegt auf 36 Werktage. Die Inflation betrug 2011 übrigens 2,3 Prozent, fra also einen Gro teil der Lohnerhöhung auf.

Nach Tarif zahlen im Lebensmitteleinzelhandel immer mehr Handelskonzerne. Für kleine Fachhändler im Lebensmittelbereich wie auch in anderen Einzelhandelsbranchen haben die Tarifverträge ähnlich wenig Bedeutung wie im Biofachhandel.

Sind Tarifverträge das Ma aller Dinge?

Die Tarifverträge seien zu starr und gingen zu wenig auf die Bedürfnisse kleiner und mittlerer Fachhandelsbetriebe ein, lautet eine häufige Kritik aus der Branche. Tatsächlich sind die Verträge auf die großen Handelsketten ausgerichtet. Die Lohntabellen mit ihrer Fixierung auf die Berufsjahre erschweren es einem Ladner, flexibel und individuell bezogen auf die wirtschaftliche Lage des Geschäftes, aber auch auf die Situation des jeweiligen Angestellten - zu handeln. Je grö er allerdings ein Unternehmen wird, desto wichtiger sind klare Regeln für Lohnniveaus und Eingruppierungen. Sonst entsteht aus flexibel verhandelten Gehältern schnell ein Kuddelmuddel. Filialisten haben meist solche Regeln - nicht ausgehandelt und allgemeinverbindlich, sondern selbst erstellt und änderbar.

Aus Sicht der Gewerkschaften sind Tarifverträge "die Grundlage für verbindliche Mindeststandards der Lohn- und Arbeitsbedingungen." Die gewünschte Flexibilität gilt ihnen als Ausrede dafür, unter Tarif zu zahlen, also die Mindeststandards nicht einzuhalten. Flexibilität nach oben behindert ein Tarifvertrag nicht. Mehr Lohn ist immer erlaubt.

Der Vergleich mit dem LEH hinkt

Lidl und Aldi zahlen Tarif, aber der Biofachhandel nicht. Das ist peinlich. Dennoch ist es kein gutes Argument. Denn die großen Handelsketten versuchen auch, Tarife zu unterlaufen. Bei Netto und Kaufland rückte Anfang 2012 der Zoll zur Hausdurchsuchung an. Die beiden Discounter sollen Lagerarbeiten von Scheinselbstständigen auf Werkvertragsbasis erledigt haben lassen. Gängig sind Klagen über unerfüllbare Zeitvorgaben und unterbesetzte Filialen, die zu Überstunden führen, die nicht eingetragen werden. 2011 war es vor allem der Discounter Netto, dem die Gewerkschaft massenweise Verstö e gegen die von ihm anerkannten Tarifverträge vorwarf. Der Einzelhandelsverband gibt die Zahl der geringfügig Beschäftigten im gesamten Einzelhandel mit einem Drittel an. Sie werden meist in die unterste Lohngruppe des Tarifvertrags eingruppiert. Bei Ver.di schätzt man, dass bei den Vollsortimentern 20 Prozent der Arbeitsstunden in den Läden von Aushilfen geleistet werden. Bei Discountern können es in einzelnen Filialen bis zu 50 Prozent sein. Günter Kugler weist darauf hin, dass in den grö eren Biomärkten oft mehrere (nach Tarif hoch eingruppierte) Teamleiter tätig seien. In vielen Filialen des LEH seien die teuren Positionen nicht besetzt.

Mindestlohn

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Wie hoch wäre ein Bio-Mindestlohn?

Für den Biofachhandel sind Tariflöhne derzeit keine Mindeststandards, sondern manchmal ein Ziel, manche haben ein so unterschiedliches System, dass es nicht direkt vergleichbar ist. Von der Branche als Ganzes gibt es dazu keine Aussagen. Ebenso schweigen die Verbände zur Frage nach einem Mindestlohn und dessen Höhe. In der Regional&Fair-Richtlinie des Biokreises hei t es: "Es sind sozialverträgliche Löhne zu bezahlen." Konkrete Zahlen nennt die Richtlinie nicht. In den Naturland-Sozialrichtlinien steht: "Die Löhne müssen mindestens den gesetzlichen Mindestlöhnen des Landes entsprechen oder den relevanten Industriestandards (bei Verarbeitungsbetrieben)". Ob "Industriestandards" gleichbedeutend mit "Tarifvertrag" ist, bleibt offen. Für deutsche Verarbeiter wird das auch nicht kontrolliert. Auf Erzeugerebene wird überprüft, ob Saisonarbeiter behördlich gemeldet sind und den von der Bundesanstalt für Arbeit festgelegten Mindestlohn von 6,40 Euro (für 2011) bekommen. Der BioFair-Verein schreibt, seine Mitglieder zahlten "gerechte Löhne und Gehälter" sowie "dem Stammpersonal einen bestimmten Mindestlohn". Konkrete Angaben gibt es auf Nachfrage: "Wir haben den Unternehmen für 2011 8,60 Euro die Stunde als Anhaltspunkt genannt", sagt Anke Schekahn, die Geschäftsführerin des Vereins. "Bei der Zertifizierung wird nur erhoben, ob die Lohnzahlungen dem entsprechen. Eine Punktebewertung erfolgt nicht, da die gezahlten Löhne regional sehr voneinander abweichen. In strukturstarken Regionen ist das Lohnniveau viel höher als in strukturschwachen Regionen, so dass ein Vergleich nicht möglich ist."

Die Gewerkschaften wollen in diesem Jahr ihre Kampagne für einen allgemeinen Mindestlohn verstärken. Im Bundestagswahlkampf wird er ein wichtiges Thema sein. Der DGB fordert: "Kein Lohn unter 8,50 Euro pro Stunde", gemeint ist brutto. Wissenschaftlich untermauert hat diese Zahl das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans Böckler Stiftung. Es nennt mehrere Orientierungsmarken als Ma stab für einen existenzsichernden Mindestlohn (Siehe Grafik Seite 37/38). Etwa die gesetzlich festgelegte Pfändungsfreigrenze. Sie soll sicherstellen, dass der Gerichtsvollzieher einem Schuldner so viel lässt, dass er seinen Lebensunterhalt bestreiten kann. Aktuell sind das für einen Alleinstehenden 1.030 Euro netto im Monat. Laut WSI entspricht das bei einer 38 Stunden-Woche 8,62 Euro brutto je Stunde. Hartz IV-Zahlungen erhalten Menschen als gesetzliche Grundsicherung. Anspruch auf Hartz IV hat ein Alleinstehender, wenn er netto weniger als 1.054 Euro im Monat verdient. Das wären 8,91 Euro brutto. Bezogen auf eine 40 Stunden-Woche lägen die Bruttostundenlöhne bei 8,22 und 8,50 Euro.

Im Fairen Handel, dem die Biobranche sich verpflichtet fühlt, sollen faire Preise die Kosten einer nachhaltigen Produktion decken und ein Leben in Würde ermöglichen. Das könnte auch als Grundsatz für zu zahlende Löhne in der Biobranche gelten. Geht man davon aus, dass die Hartz IV-Sätze ein Leben in Würde gerade noch ermöglichen, würde dies einem Bruttolohn von 8,50 entsprechen. Wer der Meinung ist, dass man mit Hartz IV-Regelsätzen nicht menschenwürdig leben kann, muss mehr zahlen.

Niedriglohn mit Wohlfühlfaktor?

"Einen gerechten Lohn zu definieren ist extrem schwierig", sagt Anke Schekahn. Es gebe viele völlig unterschiedliche Tarifverträge, dazu noch große regionale Unterschiede. In einem Forschungsprojekt hat sie mit ihrem Kasseler Institut für ländliche Entwicklung versucht, Antworten darauf zu finden, was faire Löhne und Arbeitsbedingungen ausmacht. Ihr Fazit: "Faire Arbeitsbedingungen enthalten viel mehr Kriterien als faire Entlohnung und sind in ihrer Komplexität nicht mit einer einfachen Checkliste zu erfassen."

In der Diskussion um das Lohnniveau taucht schnell der Hinweis auf die weichen Faktoren auf: Der Verkauf von Bio-Lebensmitteln ist eine sinnvolle und befriedigende Tätigkeit. Das Arbeitsklima ist gut, die Hierarchien sind flach, die Arbeitszeiten sind flexibel gestaltbar und die Möglichkeit, Abläufe selbständig zu gestalten, ist höher als in konventionellen Betrieben. Dass die Biobranche bei diesen weichen Faktoren insgesamt gut dasteht, ist unbestritten, auch wenn diese je nach Betrieb unterschiedlich stark ausgeprägt sind.

Gute Arbeitsbedingungen tragen erheblich zur Zufriedenheit der Mitarbeiter bei. Der Deutsche Gewerkschaftsbund versucht, mit seinem DGB-Index "Gute Arbeit" die Qualität der Arbeitsbedingungen messbar zu machen. Dazu werden 15 Dimensionen erfasst. Das Einkommen ist nur eine davon. Aufstiegsmöglichkeiten, Betriebskultur, Arbeitsintensität oder Sinnhaftigkeit der Arbeit zählen ebenso dazu. Sie rechtfertigen allerdings keine niedrigeren Gehälter, sondern können sie höchstens - in der Wahrnehmung der Arbeitnehmer - bis zu einem gewissen Punkt ausgleichen.

Neben den Tariflöhnen spielt auch die Mitbestimmung eine Rolle, meist eingeengt auf die Frage nach einem Betriebsrat. Betriebsräte sind in jedem Unternehmen wählbar, das mindestens fünf Angestellte hat, also auch in vielen Naturkostgeschäften und allen grö eren Biomärkten. Das Betriebsverfassungsgesetz schreibt einen umfassenden Informations- und Beratungsanspruch des Betriebsrates fest. Es verleiht ihm in einigen sozialen Angelegenheiten wie Arbeitszeiten, Überstunden oder Entlohnungsgrundsätzen ein echtes Mitbestimmungsrecht.

Partnerschaftlich ohne Betriebsrat?

In kleinen Betrieben, bei denen sich noch alle Mitarbeiter mit dem Chef an einen Tisch setzen können, mag ein Betriebsrat nicht notwendig sein. Eine österreichische Studie hat festgestellt, dass die Arbeitszufriedenheit vor allem davon abhängt, dass die Mitarbeiter eigenverantwortlich tätig sein können, ihre Kompetenz anerkannt wird und sie feststellen, dass ihre Meinung in Entscheidungen einflie t. Der Vorteil eines Betriebsrates liegt darin, dass Informationspflichten und Mitspracherechte klar geregelt sind und nicht im Ungefähren bleiben oder im Belieben des Unternehmers liegen. Je grö er das Unternehmen, desto wichtiger werden transparente Strukturen. In der Zeitschrift Ökologie&Landbau erklärt Lebensbaum-Chef Ulrich Walter, warum er froh ist, dass es in seinem Unternehmen einen Betriebsrat gibt: "Man kann nicht mehr alles erfassen und nicht mehr jederzeit mit jedem sprechen. Da ist der Betriebsrat ein hervorragendes Bindeglied. Seit vielen Jahren arbeiten wir vertrauensvoll und erfolgreich zusammen. Den Betriebsrat als Gegner zu sehen, ist Quatsch. Ich kann eigentlich nur jedem Unternehmen raten, einen zu installieren und zu pflegen." Bisher gibt es im Biobereich wenige Unternehmen mit Betriebsrat. Bekannte Beispiele sind die Basic AG, Naturkost Elkershausen und die Hofpfisterei. Andere Unternehmen wie die Molkerei Berchtesgadener Land oder der bio verlag setzen auf eigene Modelle der Mitbestimmung.

Wegducken oder offen diskutieren?

Als die taz im März 2010 die Löhne bei Alnatura zum Thema machte, zog der Filialist angesichts der öffentlichen Empörung nach einigen Tagen die Notbremse, kündigte an, Tariflöhne einzuführen und meldete ein halbes Jahr später Vollzug. Der Verweis auf die weichen Faktoren wurde als Ausrede gewertet. "Yoga statt Tariflohn" ätzte die Presse. Auch Hubert Bopp hat die Erfahrung gemacht, dass Hinweise auf finanzierte Weiterbildung, Aufstiegschancen und Einkaufsgutscheine wirkungslos bleiben. 2011 hatten eine Berliner Stadtteilzeitung und Radio Berlin-Brandenburg über die ihrer Meinung nach teils gesetzeswidrigen Arbeitsbedingungen bei der Bio Company berichtet. "Das ist bitter, wenn man als Unternehmen so dargestellt wird. Da wird ein Bild erzeugt, das macht einen persönlich betroffen", sagt der Bio Company-Geschäftsführer. Dennree geht, als Gro - und Einzelhändler, einen anderen Weg. Das Unternehmen weist konkrete Fragen mit dem Hinweis ab, dass es zur Personal- und Gehaltspolitik nicht öffentlich Stellung nehme. Einzige Ausnahme war ein Interview in der taz Ende 2011, in dem Dennree-Chef Thomas Greim für Denn's erklärte, man orientiere sich am Tarif, liege mal drunter und mal drüber. Wer besonders viel Erfahrung in der Naturkostbranche mitbringe, erhalte deutlich mehr als den Tariflohn. Die Kommentare von Denn's-Mitarbeitern auf diesen und ähnliche Artikel sowie die Bewertungen von Denn's als Arbeitgeber in den einschlägigen Portalen zeigen eine andere Wirklichkeit. Es besteht die Gefahr, dass diese Wirklichkeit, etwa als Fernsehbeitrag, dem Unternehmen und der ganzen Biobranche auf die Füße fällt. Dann wäre es gut, glaubwürdige und nachvollziehbare Antworten zu haben.

Orientierungspunkte für die Bestimmung eines angemessenen Mindestlohns

Arbeitskosten im Biofachhandel

Der Betriebsvergleich ContRate der Kommunikationsberatung Klaus Braun liefert Daten über die Arbeitskosten im Biofachhandel (siehe auch hier). Die vorläufigen Zahlen für 2011 zeigen, dass der Naturkostfachhandel im abgelaufenen Jahr deutlich in Personal investiert hat.

Die Personalkosten sind wie der Umsatz um gut zehn Prozent gestiegen. Dieser Zuwachs teilte sich auf zusätzliche Stunden, also neue Stellen, und auf höhere Löhne auf. Diese stiegen um rund sieben Prozent.

Die Arbeitsstunde kostete den Arbeitgeber im Schnitt 13,65 Euro brutto. Für den Arbeitnehmer entspricht das in etwa 11,50 Euro brutto. Der Anteil der Aushilfen auf 400 Euro-Basis betrug zehn Prozent der Arbeitsstunden. Daraus ergibt sich, dass der Durchschnittsbruttolohn für die Festangestellten bei rund zwölf Euro liegt. Darin sind Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie zusätzliche Vergütungen wie Einkaufsgutscheine bereits enthalten.

Insgesamt machen die Personalkosten rund 15 Prozent des Umsatzes aus. Nicht enthalten sind in diesen Zahlen die Entnahmen des Unternehmers. Sie belaufen sich im Schnitt auf etwa vier Prozent des Umsatzes. Bei kleinen Geschäften, bei denen die Eigentümer selbst einen Gro teil der Arbeitszeit abdecken, sind die Entnahmen deutlich grö er und die Ausgaben für Personal entsprechend geringer.

"Das sind Durchschnittswerte, die Spannbreite bei den einzelnen Geschäften ist gro ", sagt Klaus Braun und stellt fest: "Die Löhne im Naturkostfachhandel sind nicht meilenweit vom Tarif entfernt, aber sie liegen noch deutlich darunter."

Weitere Infos

Die Zeitschrift Ökologie&Landbau widmete ihren Schwerpunkt im Heft 3/2011 dem Thema "Arbeiten in den Biobranche". Zu bestellen auf www.soel.de unter >Publikationen.

www.boeckler.de
- die gewerkschaftsnahe Hans Boeckler Stiftung
www.mindestlohn.de
- die Kampagnenseite des DGB
www.einzelhandel.verdi.de
- die Bundesfachgruppe Einzelhandel der Gewerkschaft Ver.di
www.dgb-index-gute-arbeit.de
- ein Versuch, die Arbeitsqualität zu messen

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Hier finden Sie alle Artikel aus der Ausgabe BioHandel, 04/2012



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