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BÖLW zum Nitraturteil: Wasserschützer nicht mehr benachteiligen

22.06.2018

Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) hat sich zum gestrigen Urteil des Europäischen Gerichtshofs geäußert, demzufolge Deutschland zu wenig dafür getan hat, um seine Gewässer vor einer zu hohen Nitratbelastung zu bewahren. Weil der Einsatz von Gülle in der Landwirtschaft nicht begrenzt wird, hätten die deutschen Behörden EU-Recht missachtet.

Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des BÖLW: „Wir haben schon mehrfach betont, dass die Düngeverordnung ausgerechnet wasserschützende Betriebe wie Bio-Höfe benachteiligt, obwohl diese ein Teil der Problemlösung sind.“ Die Düngeregeln machen es ihm zufolge den Wasserschützern schwer: „Kompost und Festmist werden leider genauso behandelt wie Gülle, obwohl die Dünger völlig unterschiedlich wirken. Der Stickstoff aus der Gülle ist sehr leicht löslich, weshalb ein hoher Anteil von den Pflanzen nicht aufgenommen und in das Grundwasser ausgewaschen wird. Kompost und Festmist sorgen für Humus im Boden und geben den Nährstoff sehr langsam ab. Die Pflanzen können so die Nährstoffe nach und nach und komplett aufnehmen.“ Die gleiche Einstufung sei fatal, da bestraft wird, wer durch den Aufbau von Humus die Bodenfruchtbarkeit erhöht – und damit zum Wasser- und Klimaschutz beiträgt. Die Festlegung von Nährstoffen im Humus können Betriebe in der Nährstoffbilanz nicht berücksichtigen. Intensiv-Tierhaltungsbetriebe mit großem Gülleaufkommen können die Stickstoffeinträge dagegen dank großzügiger Abschläge „schönrechen“, so der BÖLW.

Löwenstein: „Legale Nitratverschmutzung muss gestoppt werden.“

„Es braucht ein wirksames Düngerecht, damit die Betriebe umsteuern müssen, die das Grundwasser verschmutzen“, so Löwenstein. Das müsse dazu führen, dass auf der Fläche nur so viele Tiere gehalten werden, wie Böden und Gewässer verkraften. Anders könne der Nitratüberschuss in unseren Gewässern nicht ausreichend reduziert werden. Auch leicht lösliche Stickstoffdünger, die Probleme verursachen, weil ein hoher Teil des Nährstoffes gar nicht von den Pflanzen aufgenommen wird, müssten im Düngerecht geregelt und deren Ausbringung aus der Perspektive des Gewässerschutzes reglementiert werden.

Löwenstein: „Wir fordern Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner auf, schnellstmöglich Konsequenzen aus der wissenschaftlichen Kritik am Düngerecht zu ziehen. Es drängt die erforderliche Neujustierung. Die legale Nitratverschmutzung muss durch wirksame Regeln und Vollzug gestoppt werden! Und diejenigen, die Gewässer schützen, müssen entlastet werden.“

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