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Bilanz 2017: Jeder zehnte deutsche Hof macht Bio

21.02.2018

BÖLW Bilanz Pressekonferenz auf der BioFach 2018.

BÖLW Bilanz Pressekonferenz auf der BioFach 2018. Die Zahlen gaben bekannt: v.l. Joyce Möwius (BÖLW, Moderation) Helga Willer, FiBL, Clemens Neumann, BMEL, Felix Prinz zu Löwenstein, BÖLW, Markus Arbenz, IFOAM Organics International, Foto Karin Heinze

Die Bio-Branche zieht eine positive Bilanz der bundesweiten Entwicklung: Mit über 10 Milliarden Euro Umsatz ist der Biomarkt weiter im Aufwind. Niedersachsen bleibt mit seinem geringen Ökolandbau-Anteil weiterhin bundesweit Schlusslicht.

„2017 stellten jeden Tag durchschnittlich fünf Bauern eine Landwirtschaftsfläche von etwa 500 Fußballfeldern auf Bio um“, sagte Peter Röhrig, Geschäftsführer des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), anlässlich der Bilanzpressekonferenz der Bio-Branche zum Start der Biofach. „Bio bietet für immer mehr Landwirte eine wichtige Perspektive, um ihrem Hof eine Zukunft zu geben.“

Fast 1,4 Millionen Hektar Bio-Fläche und über 2.000 BEtrieb mehr in Deutschland

Nach aktuellen BÖLW-Schätzungen legte die heimische Öko-Fläche in 2017 um 124.647 ha (10 Prozent) auf insgesamt 1.375.967 ha zu – 8,2 Prozent der gesamten Landwirtschaftsfläche bewirtschaften damit Deutschlands Bio-Bauern. Mehr als jeder zehnte Hof (10,9 Prozent) macht Bio. Insgesamt 29.174 Betriebe (2.042 mehr als im Vorjahr) bewirtschaften ihren Hof ökologisch. Gleichzeitig mussten in Deutschland weiterhin zu viele Betriebe ihre Türen für immer schließen – allein 2017 sank die Zahl aller Höfe um etwa 7.600 auf 267.800 Betriebe.

„2017 wurden mit Bio erstmals über 10 Milliarden Euro umgesetzt. „Immer mehr Kunden kaufen immer mehr Bio. Denn immer mehr Menschen wollen heimische Bauern, Klima und Artenvielfalt, artgerechte Tierhaltung und die Gesundheit ihrer Familien und der Umwelt stärken“, sagte Röhrig. Nach der Berechnung des Arbeitskreises Biomarkt wurden mit Bio-Lebensmitteln und -Getränken ein Umsatzplus von 5,9 Prozent und ein Marktvolumen von insgesamt 10,04 Milliarden Euro (2016: 9,48 Milliarden Euro) erreicht.

Der Naturkostfachhandel konnte seinen Umsatz um 2,2 Prozent steigern, erwirtschaftete 2,91 Milliarden Euro (inkl. Non-Food: 3,29 Milliarden Euro) und stellte 2017 einen Anteil am Bio-Markt von 29 Prozent. Die Umsätze im Lebensmitteleinzelhandel (LEH) stiegen mit 8,8 Prozent überdurchschnittlich stark auf einen Bio-Umsatz von 5,93 Milliarden Euro an. Der LEH erreichte 2017 damit einen Anteil am Bio-Markt von 59 Prozent. Bei vielen Produkten holten insbesondere die Discounter auf, die zuletzt ihre Bio-Sortimente deutlich verbreiterten.

Potential für einen nachhaltigen Umbau von Ernährung und Landwirtschaft nutzen

Die Umsätze mit Bio-Lebensmitteln stiegen im vergangen Jahr auf über 10 Milliarden Euro.

Die Umsätze mit Bio-Lebensmitteln stiegen im vergangen Jahr auf über 10 Milliarden Euro. Foto Karin Heinze

In den sonstigen Geschäften kauften die Kunden Bio-Produkte im Wert von 1,20 Milliarden Euro. Der BÖLW-Vorsitzende Felix Prinz zu Löwenstein appellierte an die Bundesregierung, das große Potential für Bio vom Acker bis zum Teller für einen nachhaltigen Umbau von Ernährung und Landwirtschaft zu nutzen: „Die positive Bio-Entwicklung zeigt, dass der politische Rückhalt im Bund und in vielen Bundesländern wirkt. Denn in den vergangenen Jahren konnten mehr Bauern auf Bio umstellen. Davon profitieren die Landwirte, Umwelt und Kunden. Für die nächsten Monate ist es wichtig, dass Bund, Länder und EU das neue Bio-Recht sinnvoll ausgestalten.“

Wichtig sei auch, mehr Geld für Forschung und Entwicklung bereitzustellen, für verlässliche Honorierung der Umweltleistungen zu sorgen und so die Absatzentwicklung heimischer Bio-Produkte voranzubringen. „Damit der Umbau gelingt, muss die gesamte Bundesregierung zupacken. Denn viele Ressorts bestimmen gemeinsam, wie Landwirtschaft, Handel und Ernährung in Zukunft gestaltet werden“, sagte Prinz zu Löwenstein. Mit der ‚Zukunftsstrategie Ökolandbau‘ (ZöL) könne die Bundesregierung bei konsequenter Umsetzung wichtige erste Impulse setzen. Gut sei auch, dass im Koalitionsvertrag mit 2030 ein konkretes Datum für das Ziel von 20 Prozent Bio-Flächen gesetzt wurde.

Wichtig ist, Bio für eine bessere und gesündere Ernährung in der Außerhausverpflegung zu nutzten, wie Kopenhagen es vormacht. Die Verabredung des Koalitionsvertrags mehr in Schulen zu investieren, muss genutzt werden, um mit Schulküchen und -Gärten in jeder Schule eine bessere Ernährungsbildung zu ermöglichen.“

Löwenstein weiter: „Die Gemeinsame Europäische Agrarpolitik (GAP) muss darauf ausgerichtet werden, mit den Steuergeldern stärker die Bauern zu unterstützen, die Umwelt, Tiere, Gewässer, Artenvielfalt und Klima schützen. Bio-Bauern zeigen seit vielen Jahren in Deutschland und weltweit wie Ökolandbau nicht nur ökonomisch, sondern auch ökologisch erfolgreich ist.“ Die Bundesregierung sei auch gefordert, eine verpflichtende Tierhaltungskennzeichnung für Fleisch analog zur Eierkennzeichnung einzuführen. Insgesamt müsse Politik für kohärente Regeln für die Land- und Ernährungswirtschaft sorgen, die auf die nachhaltigsten Betriebe zugeschnitten sind – anstatt, wie das derzeit etwa beim Düngerecht passiert, Bio-Betriebe zu benachteiligen und damit ausgerechnet diejenigen, die zur Problemlösung beitragen.“

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