Anzeige

Auffällige Bio-Produkte: Zusammenarbeit in der EU funktioniert schlecht

17.07.2017

Die Zusammenarbeit der EU-Staaten bei der Aufklärung von Bio-Verdachtsfällen lässt zu wünschen übrig. Das zeigt ein Bericht der EU-Kommission für das Jahr 2016.

Die EU-Mitglieder stellen Verdachtsmeldungen, die sie von Kontrollstellen oder -behörden erhalten, in eine Datenbank im Organic Farming Information System (OFIS) ein. 2016 gingen dort insgesamt 398 Meldungen ein, viermal mehr als noch 2012. Die meisten dieser Meldungen steuerte Deutschland bei (160), gefolgt von Frankreich (59), Belgien und den Niederlanden. Die meisten anderen EU-Staaten meldeten nur eine handvoll Fälle.

30 Prozent der Meldungen betrafen Produkte, die aus Drittländern in die EU importiert wurden. Wahrscheinlich ist der Anteil sogar höher, denn der Bericht weist darauf hin, dass sich in einigen Fällen erst später herausstellte, dass das gemeldete Erzeugnis importiert worden war. Ansonsten entfielen die meisten Meldungen auf Erzeugnisse aus Italien, den Niederlanden, Deutschland und Spanien.

Für neun von zehn Meldungen waren erhöhte Pestizidrückstände der Anlass. Gentechnische Verunreinigungen, unerlaubte Zusätze oder Antibiotika spielten kaum eine Rolle. Am häufigsten betroffen waren Früchte, Gemüse und Getreide.

Bearbeitung von Verdachtsfällen dauert zu lang

Deutliche Kritik übt der Bericht an der zögerlichen Bearbeitung der gemeldeten Verdachtsfälle. In über 80 Prozent der Fälle sei die Ursache der gemeldeten Unregelmäßigkeit nicht ermittelt worden. Oft gebe es nicht einmal zusätzliche Kontrollen bei den betroffenen Betrieben. Wie auf Rückstandsfunde zu reagieren sei, werde in den Mitgliedsstaaten sehr unterschiedlich gehandhabt. Vom Vorliegen einer Laboranalyse bis zum Einstellen in OFIS dauere es im Schnitt sechs Wochen. Auch würden die meisten Staaten die Bearbeitungsfristen nicht einhalten. Vorgesehen ist, dass ein Mitglied, dass auf Verdachtsware aufmerksam gemacht wurde, binnen 30 Tagen antwortet, was es ermittelt hat und welche Maßnahmen ergriffen wurden. All diese Missstände erhöhten das Risiko eines erneuten Auftretens von Unregelmäßigkeiten oder gar eines Betrugs, heißt es in dem OFIS-Bericht.

Doch er enthält auch einige positive Ergebnisse: So hätten die Behörden koordiniert auf mehrere Funde von Pestiziden in Gerstengraspulver und anderen so genannten Superfoods, vor allem aus China, reagiert. Einige Produkte und Hersteller seien dezertifiziert worden. Erwähnt wird auch die Aufarbeitung eines Betrugsfalls in Rumänien, der 17.000 Tonnen Getreide umfasste. Bei zusätzlichen Kontrollen der rumänischen Behörden seien zudem bei weiteren großen Betrieben Unregelmäßigkiten festgestellt worden. Sie führten dazu, dass vier Bertriebe und über 17.000 Hektar Ökofläche dezertifiziert wurden – noch vor der Ernte 2016.

Die neue EU-Ökoverordnung werde solche Probleme nicht lösen, sagte Felix Prinz zu Löwenstein, der Vorsitzende des Bio-Dachverbandes BÖLW in der taz: „Die festgestellten Mängel zeigen eindeutig, dass wir nicht neue Regelungen brauchen, sondern eine bessere Umsetzung des bestehenden Rechts.“ Dem Bericht kann er auch etwas Positives abgewinnen: „Angesichts der Größe des Europäischen Biomarktes sind 398 Meldungen erfreulich wenig.“

Hier finden Sie alles zu Umsätzen und Entwicklung der Branche


Hier finden Sie Basiswissen und Verkaufshilfen zu den verschiedenen Sortimenten