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Mutige Schritte wurden belohnt

Biohandel, 03/2018, Entwicklung und Strategie

Bester Bio-Laden 2018 Logo

Die „Besten Bio-Läden 2018“ zeichnen sich durch hohes Engagement sowie mutige Schritte bei der Ladenerweiterung und -neugründung aus. Zwei Läden wurden prompt von den Kunden belohnt, die anderen beiden sind schon länger „Institutionen“. // Horst Fiedler

›Das Kundenmagazin Schrot&Korn hatte seine Leserinnen und Leser Ende 2017 wieder dazu aufgerufen, „ihren“ Bio-Laden zu bewerten. Fast 45.000 Menschen folgten dem Aufruf und so konnten zum 15. Mal die „Besten Bio-Läden“ Deutschlands aus Kundensicht ermittelt werden. Die etwas geringere Beteiligung an der Leserwahl korrespondiert mit der geringeren Kundenfrequenz, die 2017 in den Läden beobachtet wurde. Doch der insgesamt guten Bewertung hat das keinen Abbruch getan. Die Noten in den Bereichen Qualität, Sortiments-Vielfalt, Preis-Leistungs-Verhältnis, Fachkundige Beratung und Gesamteindruck liegen nach wie vor zwischen Eins und Zwei (s. detaillierte Ergebnisübersicht).

Bester Bio-Laden 2018 - BewertungskarteDie Schrot&Korn-Leserwahl ist faktisch eine kostenlose Kundenumfrage, die Bio-Einzelhändlern die Gelegenheit bietet, ihr Ladenkonzept oder die Sortimentsauswahl kundengerecht auszurichten. Dabei hilft es, wenn Inhaber und Beschäftigte jeden Kunden auf die Leserwahl hinweisen. Denn je mehr Beurteilungen abgegeben werden, desto valider ist das Gesamtbild in den einzelnen Kategorien. Da die Leserwahl es allen Teilnehmern ermöglicht, ihre Beurteilung anonym abzugeben, treten auch Mängel zutage, die einzelne Kunden vielleicht nie direkt ansprechen würden.

Anregungen auch durch Einzelkritik

Aus diesem Grund gibt es neben den Standardfragen zur Berechnung der Noten die offene Frage „Was ich mir noch wünsche“ (s. Stimmkarte rechts). Rund 17.500 Kunden machten von der Möglichkeit Gebrauch, individuelle Wünsche zu äußern. Viele Kunden bekräftigten in ihren Antworten zwar, dass sie „wunschlos glücklich“ seien – doch auch kritische Anmerkungen Einzelner können Anregungen für Verbesserungen sein. So möchte eine Kundin, dass Kartoffeln dunkler gelagert werden, weil sie vermutlich keine Ware erwerben will, die kurz vor der Keimung steht. Wenn andere das auch so sehen und Kartoffeln deshalb woanders kaufen (und dort auch noch andere Produkte mitnehmen), wäre mit einer optimierten Platzierung viel gewonnen.

Wegen ihrer schwierigen Einkommensverhältnisse haben zahlreiche Studenten die hohen Preise in ihren Bioläden angesprochen. Um diese Kunden, die der Bio-Szene oft verbunden sind, nicht an den LEH zu verlieren, könnten Läden in Universitätsstädten zum Beispiel einen Studentenrabatt einführen.

Dauerbrenner bei der Wunsch-Frage sind längere Öffnungszeiten und mehr unverpackte Ware. Hinzugekommen ist der Wunsch nach mehr Artikeln ohne Zucker. Auch ein größeres Angebot an laktosefreien Lebensmitteln wird gewünscht sowie mehr Flexiblität beim Essensangebot im Bistro. Nachdenkenswert ist das Tragen von Namensschildern, das sich eine Kundin wünscht, um die Mitarbeiter persönlich ansprechen zu können.

155 Läden erhalten Urkunden

Wer schon jetzt alles aus Kundensicht richtig macht und entsprechend beurteilt wurde, erhält mindestens eine der 307 Urkunden aus den unterschiedlichen Kategorien. Das sind weniger als in den Vorjahren, weil das Kriterium „freundliches Personal“ weggefallen ist und dafür die Beratungsleistung stärker im Fokus steht. Diesmal können 155 Läden mit Auszeichnungen werben. Für die vier Gold-Gesamtgewinner bedeutet die Leserwahl besonders große Aufmerksamkeit. Sie erhalten zudem von Sponsoren der Leserwahl Zuwendungen oder werden bei ihrer Sortimentsentwicklung unterstützt. Welche Läden 2018 eine oder mehrere Urkunden gewonnen haben, können Sie unter www.schrotundkorn.de/bbl nachlesen.

Bester Bio-Laden 2018 - Verkaufssituation (© Robert Kneschke - Fotolia.com)

Die Beratung in den Bioläden wird von den Kunden oft mit der Note Eins bewertet. (© Robert Kneschke - Fotolia.com)

Rustikal, modern, übersichtlich – Blick in die Kornblume in Lingen. (© Thomas Langreder - bio verlag)
Platz für Begegnung und Genuss – das Bistro im Bio-Supermarkt. (© Thomas Langreder - bio verlag)
Wagten den Quantensprung in die Welt zeitgemäßer Verkaufsstätten und wurden damit „Bester Bio-Supermarkt“: Nanni und Ralf Brinker. (© Thomas Langreder - bio verlag)

Bio-Supermärkte ab 400 qm – Naturkost Kornblume, Lingen

Nanni und Ralf Brinker haben ein klares, von den Kunden gern angenommenes Erfolgsrezept: „Wir nehmen uns alle immer Zeit für die Beratung, wir bieten ein stimmiges Gesamtprodukt rund um Qualität und Service, da ist der Preis dann oft nebensächlich.“ Damit treffen die beiden mit ihrem Team jeden Tag die Wünsche und Bedürfnisse der immer anspruchsvoller gewordenen Kunden, auch derer, die etwas erleben möchten beim Einkaufen. „Wir machen regelmäßig Events, sind innovativ, bemühen uns um soziale und ganzheitliche Produkte – und das kommunizieren wir auch gegenüber unseren Kunden – am liebsten im direkten Kontakt“, ergänzt Nanni Brinker.

Begonnen hatten die Brinkers 1987 mit einem nur 56 Quadratmeter großen Bioladen. Ihr zum „Besten Bio-Supermarkt  Deutschlands“ gewählter neuer Laden mit  540 Quadratmetern Verkaufsfläche wurde 2016 eröffnet. Das Ladenlokal ist ausgestattet mit edlem Holz und Stein und befindet sich in sehr guter Lage. In der Kornblume wird die hohe Beratungsleistung durch regelmäßige Fortbildungen der Mitarbeiter sichergestellt – und der Produkt-Rabatt für Mitarbeiter in Höhe von 25 Prozent garantiert, dass diese auch über die geschmacklichen Eigenschaften der Produkte glaubwürdig Auskunft geben können. 

Familien willkommen: Für Kinder steht das Schaukelpferd immer bereit, während die Eltern in Ruhe einkaufen können. (© Maria Scherf - bio verlag)
Kundinnen bei Paula & Björn im Gespräch. (© Maria Scherf - bio verlag)
Üppige Käse-Auswahl in der „alten Käserei“. Björn Klose ergänzt das Angebot. (© Maria Scherf - bio verlag)
(© Maria Scherf - bio verlag)

Bio-Läden bis 99 qm – Paula & Björn, Türkenfeld

Paula Kimmich und Björn Klose haben ihren ganz persönlichen Bioladen geschaffen und damit die Erwartungen und Bedürfnisse der Kunden sofort getroffen. Von sich und ihrer Arbeit überzeugt, nennen sie ihren erst 2017 eröffneten Start-up-Laden folgerichtig Paula & Björn. Moderne, neugegründete Bioläden heißen zukünftig wohl nicht mehr Pusteblume oder Kornkraft, sondern tragen bewusst die persönliche Handschrift der Macher und deren Namen. Paula und Björn wussten schon vorher, auf was sie sich einlassen: Beide haben bei VollCorner in München gearbeitet.
Den Bioladen in Türkenfeld haben sie übernommen und ein eigenes Konzept umgesetzt. Während der Umbauphase konnten die Kunden via Facebook verfolgen, wie sich der Laden zu einem modernem Bioladen entwickelt hat. Handwerklich edle Holzregale, Sortimentshinweise auf Schiefertafeln und ein anthrazitfarbener Linoleumboden geben der alten Käserei mit ihrem „industriellen“ Tonnengewölbe und den sichtbaren, gusseisernen Trägern ein neues, zeitgemäßes Flair.

Durch die Lage mitten im Ort übernimmt der Bioladen Paula & Björn auch Nahversorgungsfunktion. Die Inhaber zeigen, wie man in Zeiten von „Bio im LEH“ mit einem kleinen Laden erfolgreich sein kann. „Verpackungsfreies“ Einkaufen wird im Laden unterstützt.

ür jeden Kunden der richtige Zuschnitt. (© Thomas Langreder - bio verlag)
Riesen-Bio-Möhren überzeugen auch kleine Leute. (© Thomas Langreder - bio verlag)
Bäuerliche Idylle: Karin Zenner bei ihren Tieren. (© Thomas Langreder - bio verlag)
Große Auswahl für den Wocheneinkauf im Hofladen Zenner. (© Thomas Langreder - bio verlag)

Hofläden – Hofladen Zenner auf dem Bioland-Marienhof

Der Hofladen Zenner gewinnt mit einer Facette, die man früher einmal als Ur-Produktion bezeichnete. Karin und Stefan Zenner backen in der angeschlossenen Backstube Brot, Kuchen und Gebäck. Sie lassen in der ebenfalls zum Hof- und Ladenkonzept gehörenden eigenen Schlachterei ihre Tiere schlachten – und vermarkten Fleisch und Wurst über ihren Hofladen auf dem Bioland-Marienhof in der Nähe von Saarlouis.  Die Kundschaft ist begeistert von dieser gläsernen Produktion – da weiß man, wo Bio herkommt und wer es hergestellt hat. Dort hat man noch oder besser wieder einen authentischen, persönlichen Bezug zu seinem Lebensmittel-Lieferanten. Um das inzwischen auch im Fachhandel für die Kunden bedeutsame „Einkaufserlebnis“ zu inszenieren, muss sich ein Geschäft in urbaner Lage richtig anstrengen.

Während sich die Kunden an den beiden Verkaufstagen im Hofladen regelrecht drängeln, spielen die Kinder auf dem Hof. Um dem Andrang gerecht zu werden, haben die Zenners inzwischen zur Erkundung von Hof und Ställen mehr als 20 Tret-Traktoren, Dreiräder und Roller angeschafft. Weitere Zahlen veranschaulichen die überregionale Bedeutung dieses Hofladens. Karin Zenner verbackt – unterstützt von  einer Halbtagskraft – jede Woche 400 Kilogramm Mehl zu Brot und Gebäck. Tochter Annika hat bereits Pläne für weitere handwerklich hergestellte Produkte.

Noch bessere Läden vorstellbar

Beim Blick auf die Ergebnis-Tabelle der Leserwahl fällt sofort ins Auge, dass alle Betriebstypen bei der Gesamtbeurteilung deutlich schlechter abschneiden. Das liegt aber nicht daran, dass die Läden per se schlechter beurteilt werden, weil sie viele Defizite aufweisen. Grund für die Verschlechterung der Durchschnittsnote ist schlichtweg die geänderte Fragestellung auf der Teilnahmekarte bei Gesamteindruck: „Ist das der beste Laden, den ich mir vorstellen kann?“

Offenbar können sich viele Fachhandelskunden noch bessere Läden vorstellen. So bleibt bei einem insgesamt aber weiterhin guten Gesamteindruck jetzt noch ein bisschen mehr Luft nach oben, Verbesserungen vorzunehmen. Hofläden und Bioläden haben wie bisher in den Augen der Kunden weniger Hausaufgaben zu machen. Gefordert ist vor allem der filialisierte Einzelhandel mit der Durchschnittsnote 1,72. Bio-Supermärkte haben es auch bei der neuen Fragestellung schwerer gehabt, Top-Noten zu erzielen. Bei den Einzelbewertungen von Qualität, Sortiment, Preis-Leistungsverhältnis und Fachkundige Beratung haben sie aber gegenüber dem Vorjahr zulegen können – bis auf die Filialisten, deren Sortiment  bzw. die Sortimentsvielfalt im Schnitt nicht mehr so gut bewertet wurde wie im Vorjahr.

Sponsoren fördern Aktion „Beste Bio-Läden“

Die Schrot&Korn-Leserwahl mit der Preisverleihungs-Gala und allem Drumunddran ist nur möglich durch die finanzielle Unterstützung von außen. Im Laufe der Jahre haben sich immer mehr Hersteller dazu entschlossen, die Aktion „Beste Bio-Läden“ zu sponsern. Derzeit sind es 16 Hersteller, zwei Verbände und die BioFach (siehe Logos unten).

Einige treten zusätzlich als sogenannte Paten der Gewinner auf, indem sie die Läden in deren Entwicklung unterstützen. Allen Sponsoren herzlichen Dank!

Bester Bio-Laden 2018 - Auswertung

Für eine größere Ansicht bitte auf die Grafik oder hier klicken.

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Bester Bio-Laden 2018 - Sponsorenlogos

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