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Pro & Kontra - Landwirtschaft ohne Tiere?

BioHandel, 01/2015, Branche

Landwirtschaft ohne Tiere?

Der klassische Bio-Hof betreibt Ackerbau und hält auch Tiere. Der Demeter-Verband schreibt die Kreislaufwirtschaft und somit Tierhaltung sogar vor. Immer häufiger wirtschaften Bio-Betriebe allerdings tierlos, manche sogar vegan. Kann das funktionieren?

Pro

Kontra

Aniel Mettke Alexander Gerber
Daniel Mettke ist Dipl. Ing für ökologische Landwirtschaft und Berater für bio-veganen Anbau. Alexander Gerber ist Vorstand des Demeter e.V. und Vize-Präsident der IFOAM-EU-Gruppe.

Ja, natürlich kann es. Und das schon seit geraumer Zeit. Die schweizerische Bio-Pionierin Mina Hofstetter betrieb und propagierte bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts vegetarischen Bio-Landbau. Auch Kurt Kretschmann, der Nestor der ostdeutschen Umweltschutzbewegung, betrieb einen pflanzlich biologischen Mulchgarten. Einer der bekanntesten bio-veganen Betriebe, der Gärtnerhof Bienenbüttel, wirtschaftet seit über 35 Jahren auf trockenem Heideboden sehr erfolgreich ohne tierische Düngemittel.

Der Humusanteil im Boden pendelt zwischen 6-3 Prozent, je nach Zeitpunkt in der Fruchtfolge. Aber auch in Süddeutschland gibt es Betriebe, die mit ihrer pflanzlichen Mulch- oder Kompostwirtschaft im Ackerbau Beispiel und Inspiration für einen anderen, schonenden Umgang mit dem Boden darstellen. Sowohl bei Demeter, Bioland und Naturland sind Betriebe zu finden, die entweder viehlos oder nach bio-veganem Ideal wirtschaften.

Ein nach bio-veganem Ideal wirtschaftender österreichischer Betrieb in der Nähe von Wien, der Zwiebeln, Kartoffeln und einiges andere für den Einzelhandel produziert, kann mit guter Qualität und akzeptablen Erträgen aufwarten. Dank ausgewogener Fruchtfolge auch nicht zulasten der Bodenstruktur. Der bio-vegane Anbau denkt auch in Kreisläufen, nur zweifelt er an der zwingenden Notwendigkeit der Nutztierkomponente im landbaulichen System. Er trägt damit all jenen Verbrauchern Rechnung, die auf den Konsum tierischer Produkte verzichten wollen, ohne dabei den ökologischen Landbaugedanken infrage zu stellen.

Tiere sind dem Menschen in der Evolution vorausgegangen. Sie haben durch ihre Spezialisierungen die Erde für den Mensch erst bewohnbar gemacht. Es sind die Wiederkäuer, denen wir fruchtbaren Boden zu verdanken haben. Die Kuh hat es dem Menschen ermöglicht, sesshaft zu werden. Weil sie auf demselben Standort grasen kann ohne krank zu werden. Weil sie mit ihrem Mist den Humus in den Boden bringt, Voraussetzung für „cultura“ – Ackerbau.

Heute wissen wir: Ökologische Milchviehbetriebe sind die klimafreundlichsten,  weil sie mit dem Kuhdung die Humusgehalte im Boden steigern und damit CO2 binden.  Ganz nebenbei verwandelt die Kuh für den Menschen unverdauliches Gras in bestes Fett und Eiweiß. Ein wesentlicher Beitrag zur „Welternährung“.

Erst mit Tierhaltung wird der ökologische Betrieb in sich tragfähig. Bei Demeter ist sie deshalb verpflichtend. Demeter-Bauern bekommen so die passende Menge Mist, den sie mit den biodynamischen Präparaten in wertvollen Dünger verwandeln, der das Land nachhaltig fruchtbar macht. Auf diesen fruchtbaren Böden wächst bestes Futter für die Tiere des Hofes. Sie liefern aber nicht allein Milch, Eier oder Fleisch, sondern ermöglichen mit ihrem aufbereiteten Dung den Anbau pflanzlicher Genüsse und erhöhen deren Qualität. Nicht auf das ob, sondern auf das wie kommt es daher an. Die industrielle Tierhaltung und Schlachtung sind einer Gesellschaft wie der unseren nicht würdig. Das Tier ist dem Menschen gänzlich anvertraut. Das verpflichtet. Geben wir dem Tier die Würde zurück.


URL: https://biohandel-online.de/Branche/pro-kontra.html / © bio verlag gmbh

Kommentare

Weitere Informationen zum bio-veganen Anbau finden Sie auf www.biovegan.org.

Mit freundlichen Grüßen,

Daniel Mettke

Kann mir bitte Daniel Mettke den Betrieb in der Nähe von Wien mitteilen, der Zwiebeln, Kartoffeln und einiges andere für den Einzelhandel produziert??
Dankeschön

Hier finden Sie alle Artikel aus der Ausgabe BioHandel, 01/2015

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