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Bioland bei Lidl – was nun?

BioHandel, 12/2018, Branche


URL: https://biohandel-online.de/Branche/bioland-bei-lidl-was-nun.html / © bio verlag gmbh

Kommentare

Erich Margrander

Eines könnte wahr werden: Die "Marke" Bioland wird sich in einigen Jahren anders darstellen. Dass ein Bio-Verbandsname als Marke nur so lange Bestand haben kann, bis Bio aus der Nische heraus in den Mainstream drängt, war schon lange offensichtlich. Es gibt die Eierlegende Wollmilchsau auch nicht in der Biobranche.
Der Naturkostfachhandel hat aufgebaut, die Ladner haben aufgebaut und die Bauern? Wurden immer mehr! Und die Biokäufer? Davon gibt es heute so viele, wie noch nie! Und schließlich bringen sie das Geld auf, das benötigt wird, um Jahr für Jahr mehr Bio anzubauen. 100 Prozent Bio ist heute auch in der Naturkostszene als Ziel gesetzt, neben Echt Bio! Also irgendwann geht es um alle >200 Milliarden €, die für Lebensmittel ausgegeben werden. Und wie machen wir das dann?
Biolandprodukte gibt es schon seit langer Zeit im Discounter. Nicht nur bei Lidl. Und es sind oft die bekannten Hersteller, die abfüllen. Aber: Nicht unter dem eigenen Namen. Beispielsweise gibt es Milchprodukte von Andechser bei Aldi. Und weil Aldi als einer der ganz wenigen die Lieferanten- bzw. Herstellernamen auf den Produkten vorschreibt, muss man schon tief in die Handelsregister hinein schauen um die echten Hersteller zu erkennen. Es wird getrickst und vernebelt. Auch gut. Wenn jedoch Bioland der Meinung ist, dass es besser wäre, auch drauf zu schreiben, wer drin ist, kann man darüber debattieren ob es Bio (Bioland) nur bei mir oder überall zu kaufen geben darf/sollte. Das Ziel zeigt es: 100 Prozent Bio geht nicht nur mit wenigen! Gut wäre jedoch, wenn die, die sich wir nennen, mit dabei und nicht unter die Räder gekommen wären. Sie sollten anstelle der Konvertiten die Vorgaben machen und Vordenker bleiben. Unilever soll sich dran hängen (dürfen), jedoch nicht den Geist okkupieren und besetzen.
Ja, drei haben nicht dafür gestimmt. Das deckt sich mit dem Gerücht, dass weit mehr als 90 Prozent der Bioland-Mitglieder zugestimmt hätten. Hier zu behaupten, dass viele sich nicht getraut hätten, ist infam. Vielleicht haben nur viele nicht den Standort (Nähe zu stark urbanen Gegenden) und nicht die Kraft für zwei Hochzeiten: Den Acker und die Eigen-Vermarktung. Letztere bringt immer mehr Geld ins Haus und möglicherweise auch ein gutes Gefühl. Jedenfalls so lange es wenig bis keinen Wettbewerb gibt.
Klasse statt Masse wird - nach meinem Bio-Verständnis - irgendwann (hoffentlich) zur massenhaften Klasse! Ich finde jedenfalls, gute Lebensmittel müssen für alle bezahlbar werden/bleiben.
Ich wünsche mir, dass der Mut von Bioland wird. Der Witz: die Ombudsstelle! wird möglicherweise dann anders wahrgenommen, wenn auch die unlauteren Praktiken in der Biobranche dort anlanden und verhandelt werden. Leute, bei dem Witz: Der Ombudsstelle muss keiner Angst haben, dass ein Whistleblower öffentlich und an den Pranger gestellt wird. Eine solche, abschreckende Ombudsstelle gibt es bereits im herkömmlichen Handel. Mit Null Erfolg, weil die Anonymität nicht gewahrt wird. Da geht also keiner hin und beschwert sich über Abzocke. Der wahre Erfolg von Bioland nach zwei Verhandlungsjahren (!! - nicht mal so neben hin!!)) liegt in Vertragsvereinbarungen (Lidl hat's unterschrieben, obwohl mit hohen siebenstelligen Vertragsstrafen bewehrt!!), die allen beteiligten Biolieferanten eine Ombudsstelle garantieren, wenn irgendwo die Augenhöhe verloren gehen sollte. So etwas hat noch nie ein Händler unterschrieben. Auch nicht in der Biobranche! Die neu errichtete Ombudsstelle kann in Zukunft von allen Beteiligten genutzt werden. Mit dem, was dabei noch alles auf den Tisch kommt, dürften wir Überraschungen erleben. Viele Maulkörbe werden fallen! Bei Rewe, Dennree, Edeka oder Alnatura, alle Druckmittel bei Ausgrenzungen der Lieferanten können vor der Ombudsstelle verhandelt werden ohne Enttarnung des Hilfesuchenden.

Hier finden Sie alle Artikel aus der Ausgabe BioHandel, 12/2018

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