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Lesermeinungen zu Fachhandelsmarken im LEH

Aktuelles, 30.04.18 14:34

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In den Regalen des LEH gibt
es immer mehr ehemalige
Fachhandelsprodukte. © Pixabay/3dman_eu

Fachhandelstreue ade: Einige Bio-Hersteller platzieren ihre Produkte mittlerweile im konventionellen Lebensmitteleinzelhandel (LEH). Im April wollten wir von Ihnen wissen, was Sie davon halten. Die Antworten waren sowohl positiv („Das ist gut so.“) als auch negativ („Finde es schrecklich.“) und hielten sich in etwa die Waage.

„Das ist gut so.“

Diejenigen, die „kein Problem“ damit haben, wenn Bio-Hersteller ihre Produkte und Marken nicht mehr exklusiv dem Bio-Fachhandel anbieten, befürworten, dass dadurch mehr Menschen einen Zugang zu Bio erhalten, und beziehen sich dabei häufig auf den Gedanken „Bio für alle“. Sie finden außerdem, dass der Fachhandel sich neu profilieren muss – Marken und Produkte Alleinstellungsmerkmal reichen nicht aus. Drei Zitate:

„Die Verkaufsstellen im Fachhandel werden weniger und der Mengendruck bei den Erzeugern größer. Es ist natürlich eine Spirale, die in Gang gesetzt wurde durch die Präsenz von Bio im LEH. Aber es ist ein Trend der nicht aufzuhalten, allenfalls zu verlangsamen ist. Bio wird somit auch einer breiten Masse an Endverbrauchern zugänglich, die nicht gleich ums Eck einen Bioladen haben. Ich persönlich finde die Öffnung gut, da ich mir 15km beim Einkauf spare.“

„Es ist ihr gutes Recht. Der Bio-Fachhandel hat kein Alleinstellungsmerkmal (mehr). Außerdem wollten wir ‚Bio für alle‘! Der Fachhandel sollte sich nicht durch Marken profilieren, sondern mit neuen (alten) Ideen. So zum Beispiel wieder (mehr) ökologisch verpackungslos, regional und saisonal verkaufen und kleine regionale Hersteller ins Boot holen.“

„Warum sollten gute und nachhaltige Produkte einem dogmatischen und mittlerweile nach demselben System funktionierendem Bio-Fachhandel vorbehalten sein? Der Fachhandel muss sich über Leistung differenzieren und nicht durch abgeschottete Sortimente darin bestärkt werden, nicht innovativ zu sein.“

„Finde es schrecklich.“

Der Fachhandel hat die Marken groß gemacht, so das Argument vieler, die sich daran stoßen, wenn Bio-Hersteller mit ihren Produkten in den LEH gehen. Manche Bio-Ladner listen sogar Produkte aus, wenn die Fachhandelstreue gebrochen wird. Bio und LEH – das passt für sie einfach nicht zusammen. Drei Zitate:

„Fachhandelsware gehört in den Fachhandel, Allerweltsware in den Allerweltsladen. Wenn jetzt Biohersteller, die wir als Fachgeschäfte erst groß gemacht haben, meinen, sie könnten den Hals nicht voll genug kriegen, dann degradieren sie sich zu Allerweltsherstellern und können mit Preisgedrücke und Werteverfall, der in den nächsten Jahren folgen wird, ohne uns die Folgen ausbaden.“

„Es ist sehr bedauerlich das einige Hersteller ihre Waren unter ihrer Erstmarke in dem LEH platzieren, anstatt unter einer Zweitmarke, wenn sie das schon unbedingt wollen. Aktuell haben sie damit einen Erfolg, aber bald müssen auch dort Bio-Produkte ihre Zahlen bringen, wenn es nicht mehr nur für das Image ist und dann geht das große Auslisten los. Zusätzlich werden die Eigenmarken der Handelsketten weiter ausgebaut, die ihnen dort das leben auch noch erschweren werden. Aber jeder ist seines Glückes Schmied ... “

 

 

Kommentare

"Allerweltsware gehört in den Allerweltsladen."
Was bitte ist damit genau gemeint? Allerweltsnudeln? Allerweltsmilch? Allerweltsschokolade? Was macht denn ein Produkt im Biofachhandel zum Nicht-Allerweltsprodukt? In vielen Regalen im Fachhandel sehe ich massenhaft Zweitmarken von Allerwelts-Lebensmittelherstellern, die nicht konsequent ausgelistet werden: Schokokekse in dicken Plastikdosen, Soyamilch von internationalen Konzernen, Maultaschen von überwiegend konventionelle Fleischbetrieben.
Was genau tut der Fachhandel, der sich für besser hält, für die Stärkung der ganzheitlich denkenden Pioniermarken, wie sie zum Beispiel in den Wertemarken zusammen geschlossen sind? Rummeckern und Pauschalaussagen helfen in dieser Diskussion nicht weiter. Ein Blick hinter die Unternehmenskonstrukte vieler Marken macht eine Schwarz-Weiß-Einordnung in Gut und Böse hinfällig. Starke Marken dienen beiden Handelsformen und der Sache "Bio für Alle". Alles Andere sind (nachvollziehbare) Ängste und Vorwürfe zur Besitzstandswahrung. Nur miteinander reden hilft. Über den eigenen Tellerrand schauen und die Dinge vielleicht mal mit einer anderen Brille anschauen. Nichtallerweltsläden sein finde ich super! Und genug Kunden auch. Aber dann tut das auch mit Charme, Mut und Professionalität.



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